5. Dezember 2018
Interview & Pictures: MH

JAN 'N JUNE

Bye, bye Fast Fashion.
Seit 2013 zeigen Anna und Jula mit ihrem Label JAN 'N JUNE wie man stylische und nachhaltige Mode macht, die auch noch bezahlbar ist.

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Nachhaltigkeit behauptet sich im westlichen Teil Europas in den verschiedensten Lebensbereichen. Beim Einkaufen liegen Biolebensmittel neben herkömmlicher Ware, im Kosmetikregal trennen nur wenige Zentimeter „Natur“ von konventioneller Körperpflege.
Als Alternative zum Taxi fahren grüne, von Hybridmotoren angetriebene Shuttles durch die Straßen der Großstädte und teilen sich die Fahrbahn mit Elektrorollern, die schnell angemietet werden können.
Auch in der Kleidungsbranche werden Alternativen propagiert, allerdings wohnt es der Branche gegenwärtig inne, dass sie nur begrenzt nachhaltig sein kann. Gerade wenn große, global agierende Ketten mit grünen Alternativen werben, drängt sich der Gedanke auf, dass Nachhaltigkeit eher ein Marketingtrick statt einer Tatsache ist.

Dass hinter dem Wort mehr stecken kann, zeigen Jula und Anna mit ihrem Label JAN 'N JUNE.
Die beiden lernten sich im Studium kennen, es war ein übersichtlicher Jahrgang mit dreißig Studierenden.
„Wir saßen in einem Raum in der Uni und ich hab’ Anna angeschaut und mich gefragt: Was guckt denn die so grimmig? Als sie dann gesehen hat, dass ich sie angeguckt hab’, hat sie total breit gelächelt, und in dem Moment dachte ich mir dann: Ok ja, die ist doch ganz schön cool, und war mir gleich sympathisch“, beschreibt Jula den ersten Kontakt.
Durch verschiedene Gruppenarbeiten und private Treffen lernten sie sich besser kennen, doch erst im letzten Semester kam die Idee zum eigenen Label auf.
Dafür kamen mehrere Puzzleteile zusammen.
Anna kam schon während ihrer Kindheit mit einem nachhaltigen Lebensstil in Berührung. Ihre Eltern gingen im Biosupermarkt einkaufen (meine Oma übrigens auch). Vor 20 Jahren war Bio aber noch nicht so hip wie heute, die Läden waren klein und es roch nach Acker. Jula ist zwar ebenfalls mit dem Gedanken großgeworden, dass Klamotten, die man sich kauft, länger halten müssen, aber das ausschlaggebende Erlebnis war ein Praktikum in Indonesien.

„Man muss dazu sagen, dass es von den Produktionsstandards schon höher als z. B. Bangladesch ist, aber als wir die Produktionsstätten besucht haben, war mein ständig wiederkehrender Gedanke: ‚Das sind einfach nur Klamotten‘.
Da wurden beispielsweise zwei Jacken parallel gefertigt, welche nach der Fertigstellung erst einmal in die Ecke geworfen wurden. Dann wurde noch das Label angenäht, dass dann fast alleine darüber entschied, ob die Jacke später für 80€ oder 800€ verkauft wird. Das war für mich der Moment, in dem mich gefragt habe, wofür ich im Klamotten-Business eigentlich bezahle und wohin mein Geld geht.“
Zurück in Hamburg brach das vorletzte Semester an, und Anna und Jula saßen im Kurs Unternehmensgründung.
„Wir hatten zu dem Zeitpunkt einen sehr coolen und jungen Dozenten. Er war immer sehr überzeugt, dass bei der Umsetzung einer Vision nichts unmöglich ist und je nach Ansehensweise alles funktionieren kann“, erzählt Jula.
Die Vision war von Anfang an klar: Nachhaltig. Bezahlbar. Modisch.
Ein Besuch auf der Ethical Fashion Week in Berlin überzeugte beide dann vollständig, da sie auch dort nicht fanden, wonach sie gesucht haben.
„Es gab nichts, was im Ansatz dem entsprach, was wir uns vorstellten.
Es gab zwar schöne Sachen, die nachhaltig hergestellt wurden, dann aber auch super teuer waren“, erzählt Anna über ihren Besuch dort.

JAN N JUNE OFFICE JAN N JUNE OFFICE
VIEW aus dem JAN 'N JUNE office in Hamburg
Credit: MH

Danach ging es sehr schnell: „Wir waren ein bisschen davon getrieben, nicht davon, dass wir uns selbstständig machen wollten, sondern wir hatten das Gefühl, wenn wir das jetzt nicht machen, dann macht das innerhalb des nächsten Jahres jemand anders. Die Lücke in Deutschland ist so klaffend.“ (Jula)
Geprägt von ihrer Beobachtung in Indonesien war es beiden auch wichtig, dem Kunden zu zeigen, woher ihre Stücke kommen. Deswegen ist jedes Teil mit einem QR Code versehen, über den man die einzelnen Fertigungsschritte nachvollziehen kann.

Seitdem ist viel passiert, aber das Thema Nachhaltigkeit blieb natürlich zentral für JAN 'N JUNE.

„Von Anfang an war für uns beide das Prinzip von Cradle to Cradle faszinierend, und wir setzten uns so mit dem Gedanken auseinander, wie man Sachen im Zyklus nutzen kann, ohne Abfall zu produzieren.
Auf Kleidung übertragen bedeutet das für uns, dass wir generell immer versuchen, so ressourcenschonende Materialien wie möglich zu verwenden.“ (Anna)
„Von zertifizierter Biobaumwolle bis zu recycelten Materialien gibt es immer mehr Methoden auf dem Markt“, ergänzt Jula.
So bestehen Kleidungsstücke aus ihrer aktuellen Kollektion, wie das elegante, schwarze Kleid „Sora“, aus recyceltem Plastikmüll, der aus dem Meer gefischt wurde. Wenn man das fertige Produkt sieht und den Stoff fühlt, ist das schwer vorstellbar.

JAN N JUNE SORA DRESS
Dilara trägt das Sora Kleid von JAN 'N JUNE, hergestellt aus recyceltem Plastikmüll aus dem Ozean
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Credit: MH

Natürlich bietet ein Label, das sich als nachhaltig bezeichnet, auch eine Angriffsfläche.
Nachhaltigkeit ist ein offener Begriff, den jeder für sich anders definiert und auslegt. Manche lassen dann leider außerhalb ihrer Definition keine anderen Ansichten gelten.
„Im Endeffekt kämpfen wir alle für dieselbe Sache und es ist total schade, dass keine Einheit besteht, sondern sich oft kleine Grüppchen bilden.“ (Anna)
„Dabei sind wir so eine kleine Nische und wollen in dieselbe Richtung arbeiten, was schwierig ist, denn gerade in der Bekleidung ist der Anteil (nachhaltiger Kleidung) so verschwindend gering. Niemand macht es perfekt. Versteh mich nicht falsch, eine Diskussion und ein Austausch ist immer gut, aber ständig über Dinge zu debattieren finde ich manchmal schon selbstzerstörerisch.“ (Jula)

Nicht nur innerhalb der Fashion-Szene, auch von außerhalb kommt oft Kritik.
„Im Endeffekt kann man es natürlich so weit treiben und fragen: ‚Wieso kaufst du überhaupt etwas?‘ Es passt doch alles und wahrscheinlich würden die Klamotten trotzdem reichen, wenn alle Menschen von heute auf morgen aufhören würden, Klamotten zu kaufen.
Aber man darf die Realität nicht aus den Augen verlieren, Konsum macht auf eine gewisse Art und Weise manchmal einfach Spaß und ist auch nicht verboten. Vor allem wenn man bewusst konsumiert und sich vor Augen führt, was man kauft.“ (Jula)
„Wenn man sich in der Branche bewegt und auch nur mit solchen Leuten umgibt, vergisst man auch schnell, dass es Leute gibt, die noch nichts von Biobaumwolle gehört haben. Diese Dunkelziffer wird in den Diskussionen über die Transportkosten, den Herstellungsort, ob man Synthetik-Fasern verwenden darf oder wie viele Kollektionen man als nachhaltiges Label produzieren darf, oft außen vor gelassen. Dabei ist gerade wichtig, diese Leute zu erreichen.“ (Anna)

Wirft man einen Blick in aktuelle Studien, sind der Umweltschutz, Biolebensmittel und die Nachhaltigkeit für die heutigen Jugendlichen ein aktuelles Thema. Allerdings sind für nachhaltige Kleidung die finanziellen Mittel begrenzt und der Wille zum Verzicht auf bestimmte Marken ist nicht immer vorhanden.
Als ich damals in der fünften Klasse aufmalen musste, wie viele Kilometer mein Frühstück zurückgelegt hat, beeindruckte mich das, aber da ich mich bis dahin nie außerhalb Europas bewegt hatte, waren mir die Entfernungen zu abstrakt. Die Erläuterungen klangen mir zu moralisch und hatten mit mir nichts zu tun.

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Anna & Jula wearing BOY T-Shirt in Black by JAN 'N JUNE
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Credit: MH

Der Gedanke, dass Nachhaltigkeit und Konsum sich nicht gegenseitig ausschließen, kam erst später. Bis heute überlege ich mir, wie man jemanden zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema bewegt.
„Ich glaube es muss richtig gute Alternativen geben…“ fängt Anna an und Jula ergänzt sofort: „…und diese Alternativen müssen auch sichtbar sein.“
„Im Fashionbereich gibt es sie noch nicht so zahlreich.
Im Supermarkt liegen die Biolebensmittel neben den Normalen, und auch der preisliche Unterschied ist nicht so hoch. Da hinken wir in der Textilbranche noch weit hinterher.“ (Jula)

Auf Instagram werben manche Influencer damit, nachhaltige Blogger zu sein. Der minimalistische, skandinavisch inspirierte Stil regt an, weniger zu besitzen, dafür aber das Richtige. Gleichzeitig gibt es viele Länder, die gerade aufstrebenden Wohlstand erfahren und auf deren Prioritätenliste nicht steht, sich im Konsum zu beschränken. Von anderen Ländern, in denen der Fokus ist, grundsätzlich etwas zu haben, ganz zu schweigen.
Doch Jula und Anna geben sich optimistisch:
„Im Grund werden natürlich Fehler wiederholt. Allerdings ist heute auch alles schneller, die Phasen kürzer und während der Wandel und das Umdenken bei uns seit vierzig oder fünfzig Jahren andauern, sind andere Länder vielleicht schon innerhalb eines Jahrzehnts auf dem gleichen Stand wie wir.“

Apropos andere Länder. Wohin würden Anna und Jula reisen, wenn sie am Flughafen einen Flug frei wählen könnten?
„Ich würde nach Island fliegen“, meint Jula ohne lange nachzudenken. „Ich hab’ es bisher nur nie gemacht, weil es dort in den wärmeren Monaten auch nur 16 Grad hat, oft regnet und dann hab’ ich das Gefühl, ich hätte keinen Sommer gehabt.“
Anna überlegt kurz. „Es gibt relativ viel, worauf ich mich freuen würde, aber wahrscheinlich würde ich nach Dubai zu meinem Freund fliegen.“

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